Zentralmatura
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Pressekonferenz der Schulpartner, 17.11.2011

Nur was sich im Matura-Schulversuch bewährt hat, darf flächendeckend umgesetzt werden!

Alle SchülerInnen der Allgemeinbildenden Höheren Schulen, die sich derzeit in der 10. Schulstufe (6. Klasse) befinden, müssen bereits zur Zentralmatura antreten. In manchen Gegenständen sind die Vorbereitungen dafür noch lange nicht abgeschlossen, weswegen eine seriöse Vorbereitung der SchülerInnen darauf im Unterricht nicht möglich ist. Deshalb sehen sich alle SchulparterInnen gezwungen, gemeinsam an die Öffentlichkeit zu treten.

Ing. Theodor Saverschel, MBA, Präsident des Bundesverbandes der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen, zeigte sich namens der Elternschaft bei einer Pressekonferenz aller Schulpartner höchst besorgt über die für das Schuljahr 2013/2014 geplante Zentralmatura: „Während die Matura-Schulversuche in den Fremdsprachen – vor allem in Englisch und Französisch – recht positiv verlaufen, gibt es in Mathematik so gut wie keine Erfahrungen. Geht es nach dem Unterrichtsministerium, so soll es nur mehr Feldtestungen geben. Es wird offensichtlich vergessen, dass es sich hier um Menschen handelt, die zum Handkuss kommen. Da es weder fertige Unterlagen für SchülerInnen noch für LehrerInnen gibt, hängt der Erfolg auf Gedeih und Verderb vom Engagement des jeweiligen Lehrers, der jeweiligen Lehrerin ab. Somit kristallisiert sich so etwas wie eine göttliche Gnade der Lehrerzuteilung heraus.“

Die Bundesschulsprecherin Conny Kolmann bringt die Besorgnis der SchülerInnen auf den Punkt: „Schüler sollen keine Versuchskaninchen einer unausgegorenen neuen Reifeprüfung werden. Ich nehme die Ministerin beim Wort ihres eigenen Ministeriums. Am 21. Oktober 2008 wurde in einem ministeriellen Schreiben angekündigt, dass Lehrplan und Unterlagen bereits der neuen Matura angepasst sind, wenn der erste Jahrgang, für den die Zentralmatura gilt, in die 9. Schulstufe kommt.“

„Leider kann oder will sich BM Schmied nicht an die Vorgaben ihres eigenen Ministeriums halten, obwohl wir sie seitens der Lehrervertretung immer wieder auf die drohende Katastrophe hinweisen“, ergänzt Mag. Dr. Eckehard Quin, der Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft.

Conny Kolmann formuliert die gemeinsame Linie aller Schulpartner: „Nur Schülerinnen und Schüler, die in der Sekundarstufe II, d.h. in der gesamten Oberstufe, mit den entsprechenden Unterrichtsmitteln und der entsprechenden Schwerpunktsetzung unterrichtet worden sind, sollen nach den neuen Regeln die Reifeprüfung ablegen.“

Theodor Saverschel ergänzt: „Es ist unverständlich, dass hier zu Lasten unserer Kinder, und das werden sie für uns Eltern immer sein, mit Gewalt versucht wird, am Zeitplan in den Fächern, in denen von seriöser Erprobung keine Rede sein kann, festzuhalten.“

Eckehard Quin schlägt in die gleiche Kerbe: „Es ist einfach hanebüchen, die seit vielen Jahren in Schulversuchen erprobte Englischmatura als Vorwand zu benutzen, um in Fächern wie Deutsch und Mathematik auf jede Erprobung zu verzichten. Wir Lehrer wollen unsere Schüler nicht durch dichten Nebel auf die neue Reifeprüfung zusteuern.“

„Aus Schaden wird man klug. Dass die Schulpolitik aus dem Schaden der ersten Jahrgänge klug werden will, können wir Schülerinnen und Schüler nicht einmal als schlechten Scherz sehen. Auch wenn wir an die nicht vorhandenen Lehrbücher denken, vergeht uns das Lachen“, so Conny Kolmann zur dilettantischen Vorgangsweise.

Theodor Saverschel sorgt sich um den Erhalt einer soliden Allgemeinbildung, nicht zuletzt was die Literatur im Deutschunterricht anlangt: „Auch die IG Autorinnen und Autoren hat sich dagegen ausgesprochen. Es ist ja geradezu unglaublich, dass Weltliteratur nicht mehr Bestandteil der Matura sein soll!“

Eckehard Quin weiß von großen Sorgen der Schulbuchautoren: „Sie sind unglücklich, weil sie z.B. in Mathematik überhaupt nicht wissen, welche Beispiele sie aufnehmen sollen, da die Ministerin erst mit 1. Oktober eine neue Entwicklungsgruppe für die Mathematik-Matura eingesetzt hat. Über ein Jahr, nachdem schon alles inklusive Lehrbücher fertig sein müsste, wird eine Gruppe erst beauftragt!“

Quin erinnert nochmals an eine seit Jahren erhobene Forderung der Schulpartner: „Eine teilzentrale schriftliche Matura, bei der Grundkompetenzen unabhängig vom Schultyp österreichweit an allen Schulen abgeprüft werden. Diese Grundkompetenzen und die Lehrinhalte, an denen sie abgeprüft werden sollen, müssen im Lehrplan klar definiert sein. Alles, was dadurch nicht abgedeckt wird, sollen die unterrichtenden Lehrkräfte in einem nicht-zentralen Teil der Matura prüfen. So wären einerseits ein Mindestlevel und die von allen gewünschte Vergleichbarkeit gewährleistet. Andererseits könnte auf die Schwerpunkte der Schulform, der Schule und der Klasse Rücksicht genommen werden.“

Conny Kolmann fordert: „Unterricht muss so stattfinden, dass er mit der Matura zusammenpasst – z.B. ohne Taschenrechner oder mit Lexikon. Aber da erfährt man jeden Tag etwas anderes. Dürfen wir jetzt einen Taschenrechner verwenden oder nicht? Dürfen wir ein Lexikon verwenden oder nicht? Das muss doch alles entsprechend trainiert werden! Kein Mensch käme auf die Idee, sich mit Fußballtraining für ein Volleyballturnier vorzubereiten.“

Theodor Saverschel bietet der Ministerin konstruktive Zusammenarbeit an. „Setzen wir uns gemeinsam an einen Tisch! Reden wir über Termine und seriöse Vorbereitung! Und richten wir den Fokus nur auf eines: unseren Schülerinnen und Schülern eine gerechte und seriöse Reifeprüfung zu ermöglichen!“, so der Elternvertreter.

Die SchulpartnerInnen fordern deshalb unisono: „Nur was sich im Matura-Schulversuch bewährt hat, darf flächendeckend umgesetzt werden!“