Stellungnahmen
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Vom 16.–18. April 2007 findet die Abschlussveranstaltung des Akademielehrganges für Cooperatives offenes Lernen statt:
Jugend - Schule - Wirtschaft / Podiumsdiskussion
Hier eine Stellungnahme des Bundesvorsitzenden, Dr. Ulf Scheriau, zu 3 wesentlichen Fragestellungen:

a) Wie weit ist die Schule der Wirtschaft verpflichtet?
b) Wie sehen Sie die Schule der Zukunft?
c) Entspricht das Unterrichtsmodell „Cool“ Ihren Vorstellungen?

ad a)
Ich sehe keine Verpflichtung der Schule gegenüber der Wirtschaft, ich sehe aber einen dringenden gesellschaftspolitischen Nachholbedarf für eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft.
Als Elternvertreter erwarte ich mir von der Schule vermehrte Anstrengungen dahingehend, dass sie unsere Jugend auf das spätere Berufsleben so vorbereitet, dass sie gelernt hat zu lernen, und dass sie in der Lage ist, sich in möglichst kurzer Zeit auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen zu können.
Von der Wirtschaft erwarte ich mir, dass sie nicht eine abnehmende sondern eine zunehmende Bereitschaft zeigt, in die praxisorientierte Spezialisierung unserer Jugend zu investieren. Derzeit neigt die Wirtschaft leider dazu, in ihrem Forderungsprogramm, verursacht durch ein Gewinn maximierendes Denken, die Spezialisierung für den angebotenen Arbeitsplatz nach dem Bestellerprinzip zur Gänze vom Schulsystem bzw. vom Elternhaus einzufordern. Diese Denkweise ist abzulehnen, weil sie dazu führt, dass der Schulabsolvent zu einer Ware wird, die in extremer Abhängigkeit zum angebotenen Arbeitsplatz steht und in Folge nicht mehr in der Lage sein wird, Alternativen wahrnehmen zu können.
Unser gemeinsames Anliegen muss daher die vermehrte Bereitschaft für eine koordinierte Zusammenarbeit unter dem Gesichtspunkt der angesprochenen Aufgabenteilung zwischen Schule und Wirtschaft sein. Fordern wir für unsere Kinder das Lernen, von dessen Sinnhaftigkeit sie sich im späteren Leben überzeugen können. Jede Initiative in diese Richtung ist aus meiner Sicht zu unterstützen.

ad b)
Die Schule der Zukunft muss eine innovative Motivationswerkstätte in Sachen Bildung sein. Der Weg dorthin ist mühsam und noch weit.
Die Qualitätsverbesserung muss dabei als permanente Aufgabenstellung verstanden werden. Wir brauchen im Bildungsbereich ein Schulsystem, das personell in der Lage ist, individuelle Lernschwächen bzw. besondere Begabungen früh zu erkennen und sodann die dafür notwendigen Fördermaßnahmen zu setzten.
Die Notwendigkeit der Förderung von besonderen Begabungen, die jeder unterschiedlich besitzt, muss thematisiert werden. Unser derzeitiges System neigt dazu, Förderungspotentiale nur in Schwächen zu investieren und läuft damit Gefahr, keine „Nobelpreisträger“ mehr hervorzubringen.

ad c)
Das Unterrichtsmodell „COOL“ ist für mich eine sinnvolle Bereicherung der Bildungslandschaft. Dieses Modell setzt aus meiner Sicht eine langjährige Grundforderung um, dass sich eine moderne Schule nicht nur mehr auf die reine Wissensvermittlung beschränken kann sondern vermehrt auch andere Komponenten in den Unterricht einfließen lassen muss. Diese Komponenten zeigen sich für mich insbesondere in den Bereichen der Integration, der Selbstständigkeit, der Teamfähigkeit, der Konfliktlösungsbereitschaft, der Motivation und der emotionalen Kompetenz.

Dr. Ulf Scheriau, Bundesvorsitzender