Medienberichte
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Die Presse vom 28.02.2011 

 Gastkommentar von Theodor Saverschel

 

Neue Mittelschule, gemeinsame Schule, Ganztagsschule, Kurssystem – diese Schlagworte werden uns Eltern, garniert mit entbehrlichen Diskussionen über Verländerung von LehrerInnen, PISA, Mitwirkungspflicht der Eltern und vieles mehr als Garanten für ein „besseres“ Bildungssystem suggeriert.


Die aktuellen Geschehnisse und Vorstöße der letzten Monate geben Anlass zur Hoffnung, dass festgefahrene Positionen ins Wanken geraten und endlich Bewegung ins System kommt. Doch führen die gesetzten Schritte uns zum Ziel eines „besseren“ Bildungssystems?

 

Bei genauerer Betrachtung betreffen sie organisatorische Veränderungen, also: WIE wird etwas erreicht, ohne genau zu wissen WAS erreicht werden soll. Geht man den Ansatz, dass die Bildung unserer Kinder verbessert werden soll, dann ist es vollkommen gleich, wie der Schultyp heißt oder wo die Lehrer angestellt sind. Sondern es stellt sich die Frage: Wo findet Bildung statt?


Diese Frage ist aus meiner Sicht sehr einfach zu beantworten: Bildung findet in der Schulklasse im frühesten Stadium statt. Damit sollte oberstes Ziel sein, mehr Qualität in den Unterricht zu bringen. Das betrifft die pädagogische Ausbildung der LehrerInnen, die Neuorientierung der Lehrinhalte, die Art der Wissensvermittlung und, noch viel wichtiger, die Vertiefung.

 

Allein die Lehrpläne und teilweise auch Methodik und Didaktik befinden sich noch im vorigen Jahrtausend.


Unsere Kinder werden ebenso wie wir mittels „Nürnberger Trichter“ mit Informationen „befüllt“, lernen anlassbezogen, das heißt, sie lernen für eine Prüfung und drei, vier Tage später ist dieses Wissen in der Versenkung verschwunden. Oft ist dieser Stoff eine Blockade für wichtigere Dinge des Wissensangebots. Eine Reihe relevanter und lebensnaher, praxisbezogener Lehrbereiche wartet nur darauf, mehr Platz in Lehrplänen eingeräumt zu bekommen, wie etwa berufliche Orientierung, politische Bildung oder Gesundheitserziehung.


Was ist nun wirklich zu tun?

 

Die Autonomie der Schulleitung ist zu verstärken, von dieser auch wahrzunehmen und gemeinsam mit den Schulpartnern umzusetzen. Mehr und besser ausgebildete LehrerInnen, bessere Arbeitsumgebung für SchülerInnen, und für LehrerInnen sowie die Einhaltung der Klassenschülerhöchstzahlen sind Grundvoraussetzungen.


Eine Überbelegung der Klassen, die nach wie vor üblich ist, ist ebenso schuld am Leistungsabfall wie die Überforderung vieler Schüler durch die Fülle an Lernstoff und die langen Schultage. Nach einem sechs- acht- oder zehnstündigen Unterricht folgen Hausübungs- und Lernzeiten, womit unsere Schüler teilweise auf über 60 Wochenstunden kommen.


Eine Vielzahl an Expertisen, Konzepten liegen auf dem Tisch. Dabei wurde viel gelernt. Geht man aber nach den aktuellen Bildungsdiskussionen, wurde nichts verstanden.