Medienberichte
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Die Presse - 07.12.2010

 

Die Elternvereine drängen die Regierung zu einer raschen Umsetzung der Ganztagsschule. Doch auch Mütter und Väter müssten wieder mehr Verantwortung übernehmen. 

 

 

 

Auch die Elternvereine richten nach dem PISA-Debakel Forderungen an die Regierung: Sie sprechen sich für einen raschen Ausbau von Ganztagsschulen sowie verstärkte Förderung. Aber auch die Eltern selbst müssten wieder mehr Verantwortung übernehmen, fordert Gerald Netzl, Vorsitzender des Dachverbandes der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen.

In Richtung Politik sagte Netzl, diese müsse endlich dafür sorgen, dass Bildungskarrieren in Österreich nicht mehr vererbt werden; Es gebe "ein ganzes Bündel an Maßnahmen", das laut einhelliger Expertenmeinung dazu beitragen könne. Gleichzeitig richtete er einen Appell an die Eltern: "Leute, nehmt ein Buch zur Hand, lest den Kindern vor, geht mit ihnen in Leihbüchereien und Buchhandlungen." Ihm sei jedoch bewusst, dass es eine "wahnsinnig große Herausforderung" sei, Kinder zum Lesen zu bewegen. Sei es doch leichter, sich per TV, Handy und Internet "oberflächlich zu unterhalten". Die Eltern sollten dennoch ihren Kindern Bücher anbieten - "aber ohne Zwang".

"Wie viele Hiobsbotschaften sind noch nötig?"

Auch laut Theodor Saverschel, Präsident des Bundesverbandes der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen, "kann man die Eltern nicht aus der Pflicht nehmen". Allerdings seien viele Alleinerzieher oder beide Elternteile berufstätig und hätten demnach keine Zeit zusätzlich zur Hilfe bei Aufgaben oder Vorbereitung für Schularbeiten das Lesen zu fördern. "Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung. Ich sage nicht, dass das gut oder schlecht ist - es ist so. Und dem muss die Politik Rechnung tragen." Es sei bereits genug wertvolle Zeit vergeudet worden, so Saverschel. "Wie viele Hiobsbotschaften sind denn noch notwendig, damit die Regierung ihr verantwortungsloses Stillhalten beendet und die Arbeit macht, wofür sie gewählt wurde?"

Die Umsetzung von Reformen "entwickelt sich zu einer für Österreich existentiellen Notwendigkeit", so Saverschel, Netzl und Stefan Mandahus, Präsident des Hauptverbands Katholischer Elternvereine Österreichs, in einer gemeinsamen Aussendung. Sie fordern u.a. Investition in die Lehrerbildung und -fortbildung, mehr Schulautonomie, Einsatz der Bildungsstandards mit begleitender Feed-back-Kultur, ein bundesweites und unabhängiges Qualitätsmanagement und eine Verschlankung des Verwaltungsapparates. Kritik übten sie erneut an der von VP-Ländern forcierten Diskussion über eine Verländerung der Schulverwaltung, diese habe nur zu einer weiterem Verzögerung der Bildungsreform geführt.