Medienberichte
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Die Presse vom 17.01.2011

Von Julia Neuhauser

 

Elternvertreter Theodor Saverschel über die Wichtigkeit von Schulautonomie am Weg zur "besseren Schule".

 

Glauben sie nach dem Gespräch mit der Ministerin, dass Österreichs Bildungssystem tatsächlich vor einem Wandel steht?
Nach den Gesprächen am Montag bin ich wirklich guten Mutes, dass das Bildungssystem jetzt tatsächlich Schritte vorwärts macht. Es geht in Richtung einer besseren Schule.

Wie muss eine bessere Schule aussehen?
Bei einer besseren Schule müssen die Standorte sowie auch die Schulleitungen gestärkt werden. Das heißt, dass vor Ort die Entscheidungen getroffen werden. Es müssen allgemeine Standards gelten. Dennoch muss vor Ort entschieden werden in welche Richtung die Schule gehen soll.  Außerdem muss die Lehrerausbildung reformiert werden.

Wer soll, wenn die Schulstandort mehr Autonomie erhält, die Entscheidungen treffen?
Generell ist es so, dass die Schulleitung mehr Kompetenzen erhalten soll. Aber: Nicht eine Person alleine soll Entscheidungen treffen. Entscheidungen sollen gemeinsam mit den Schulpartner (Eltern, Lehrer und Schulervertreter, Anm.) getroffen werden.

Damit ändert sich auch das Aufgabenprofil eines Schulleiters.
Natürlich. Der Schulleiter braucht mehr Kompetenzen und muss gleichzeitig mehr Verantwortung übernehmen. Der Gestaltungsspielraum soll sicherstellen, dass es für einen Schulleiter auch von Interesse sein kann, Verantwortung zu übernehmen.

Können die Direktoren mit ihrer derzeitigen Ausbildung diese Aufgaben übernehmen?
Es war bislang Usus, dass die Auswahl der Direktoren nur wenig transparent und zumeist sehr politisch geprägt war. Es gibt zwar Personen, die eine Managementausbildung genossen haben und die Tendez dabei ist steigend, aber das an sich ist zu wenig. In Zukunft muss man sich die Frage stellen, ob ein Direktor oder ein Schulleiter überhaupt ein Pädagoge sein muss. Die derzeitigen Schulleiter müssen auf jeden Fall auf einen Managementstandard gebracht werden. Damit man  überhaupt weiß, wie man Personen führt, ohne sich das autodidaktisch beigebracht zu haben.

Ihrer Meinung nach: Muss ein Schulleiter ein Pädagoge sein?
Aus meiner Sicht muss er zumindest wissen, wie eine Schule funktioniert. Ob er jetzt Pädagoge ist, kommt darauf an, ob er auch unterrichtet. Unterrichtet er, dann muss er auch Pädagoge sein. Wenn er nur eine Managementaufgabe übernimmt, dann kann man sich schon überlegen, ob es nicht Sinn macht einen Manager einzusetzten.

Sie scheinen nach den Gesprächen sehr positiv gestimmt zu sein. Wo glauben sie, dass man sich mit der Ministerin bald einigen kann?
Wo wir uns bereits geeinigt haben, ist, dass die Lehrerbildung reformiert werden muss. Die Elternvertreter unterstützen die Lehrerbildung Neu, wobei man sich die Details noch anschauen muss. Ein weiters Anliegen ist die Qualitätssicherung. Das sind Themen, bei denen wir uns einig sind, und die schon angegangen werden können.

Fühlen sie sich als Elternvertreter jetzt wieder mehr ernst genommen?
Ja, durchaus. Wir freuen uns sehr. Wir haben wirklich sehr konstruktive Gespräche geführt. Es gibt bestimmte Punkte, die umgesetzt werden müssen. Und da sind alle einer Meinung.

Bei der Ausweitung der Neuen Mittelschule scheint man sich nicht einig zu sein.
Wir sind nicht generell gegen eine Ausweitung, aber wir haben Sorge, dass der derzeit bestehende Qualitätsstandard nicht mehr gehalten werden kann. Das heißt, wenn man garantieren kann, dass richtig ausgebildete Pädagogen zur Verfügung stehen, dann sind wir nicht dagegen. Der Lehrermangel macht uns Sorgen.