BEV Kommentar
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Kommentar von Ingrid Wallner (BEV-Vorstand)

Wie in der heute (16.08.2011) präsentierten bundesweiten Studie von Libro und Henkel zu den Kosten der Schulanfangspakete aufgezeigt wurde, müssen die Eltern eines Schulanfängers in der Volksschule oder einer weiterführende Schule mit rund 400 Euro für Lernbedarf rechnen. In Wien kostet das Schulpaket außerdem rund 35% mehr als im Rest Österreichs. Das macht 540 Euro. Natürlich sind das Maximalwerte. Geht dann noch die Mama einkaufen, kommen rund 20% mehr in den Einkaufswagen, denn laut dieser Studie kaufen Mütter um eben diese 20% mehr ein als Väter. Das macht in Summe 648 Euro.

Geht man von einem durchschnittlichen Familieneinkommen von rund 2.500,- bis 3.000,- Euro monatlich aus, so ergibt das bei nur einem Kind fast ein Viertel des Einkommens.

Dass man trotzdem nicht darüber spricht, erklärt sich aus der Schamgrenze, die Eltern haben, wenn es um die Finanzierung der Ausbildung ihres Sprösslings geht. Natürlich soll er/sie etwas Schönes haben und den anderen um nichts nachstehen.

Zum finanziellen Aufwand kommt noch das enorme Gedränge in den einschlägigen Geschäften zu Beginn des Schuljahres, wenn es um die Beschaffung der Schulsachen geht. Denn viele Schulen haben vor den Ferien keine Einkaufslisten ausgegeben, oder gehören nicht zu den rund 37% lobenswerten Schulen, die Bücher und Hefte gemeinsam einkaufen.

 

Der Handel freut sich und macht ein gutes Geschäft. So lobenswert die Initiative von Henkel ist, zu Schulbeginn an 150.000 Tafelklassler Pritt-Kleber im Wert von 500.000 Euro zu verschenken, so würde sich manches Elternpaar doch eher wünschen, dass die Händler insgesamt die Preise der gefragtesten Artikel reduzieren würden, um damit das Haushaltsbudget zu entlasten.

 

Schließlich fragen wir uns: „Warum können Schulen nicht Hefte standardisiert und gemeinsam einkaufen, um sie dann monatlich an die Eltern verrechnen?" Schon klar, dass die Schultasche selber ausgesucht werden will, ebenso das Federpennal und Stifte, aber wie die Hefte aussehen, ist doch wirklich nicht lern-relevant.

 

Oder zumindest die Einkaufsliste vor dem Sommer. Die Lehrer wissen schon im Juni, welche Hefte sie für ihr Unterrichtsfach benötigen. Für viele Eltern wäre es eine große Erleichterung, wenn sie über den Sommer die gewünschten Artikel kaufen könnten, und beim Urlaubsgeld fällt es vielleicht nicht so ins Gewicht...